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3. Kapitel

Bücher von Gauck, Winterhoff, Kaube, Bueb...

nur die mit "+++" und Fettdruck gekennzeichneten Artikel werden in dem Kapitel zitiert, die anderen Links sind Ergänzungen!

+++++ Plädoyer für eine neue Debattenkultur - wider die Moralin-Hybris

"... Was mich jedoch aggressiv macht, ist das triefende Moralin der selbst ernannten „Gut-Menschen“, das jeden Humor, jedes Lachen, jede Selbstkritik in seiner Moral-Hybris ertränkt. Die Moral-Wächter peitschen mit der „political correctness“ jeden abweichenden Gedanken aus. Die Tyrannei der „Gut-Menschen“ mit ihrer „Political-correctness-Keule“ kennt – wie jede Tyrannei – kein Sowohl-als-Auch, sondern nur ein Für-Uns und ein Gegen-Uns, weiße Hüte und schwarze Hüte, aber keine grauen, ein verräterisches Wort und das Urteil ist gesprochen. Moralin-Schaum vor dem Mund, das Messer zwischen den Zähnen wird ständig zensiert und die Lebendigkeit liquidiert..."
+++ Link [112 KB] zum Gauck-Artikel

"... Was ist da los? Wie kann es zu solchen Diskursverweigerungen kommen? Eine Ursache ist offensichtlich ein wenig reflektierter Hochmut. Es wird ja unausgesprochen unterstellt, dass der eigene Standpunkt moralisch überlegen ist. Und daraus wird die Berechtigung abgeleitet, dem anderen seine Meinung zu verbieten. Diese bedenkliche Entwicklung ist für eine demokratische Gesellschaft gefährlich und muss unterbunden werden. Eine an den Idealen der Aufklärung orientierte Diskurskultur wird in einem solchen Umfeld zunehmend schwierig, teilweise sogar unmöglich..."
- (SWR2, 26.07.2020, Wissen/Aula, 8.30 - 9.00 Uhr, Dr. Marco Wehr [Physiker, Philosoph, Tänzer, Gründer und Leiter des Philosophischen Labors in Tübingen]: "Jenseits der Hasstiraden - Plädoyer für eine neue Debattenkultur". Manuskript S. 6, beim Kopieren erscheinen alle Wörter zusammengeschrieben), Link zu Podcast und Manuskript: Link

„… Ich empfinde es als intolerant, Menschen für Äußerungen zu verurteilen, ohne dass allem eine sachliche Diskussion vorausgegangen wäre. Aber bei erschreckend vielen Menschen lösen bestimmte Trigger sofort Bewertungen aus. Und das hat nichts mit einem Rechtsrahmen zu tun oder mit dem, was im Sinne der „Verbrannten Wörter“ aus der Nazizeit sagbar ist. Sondern es hat damit zu tun, ob eine Meinung opportun ist – im Sinne des Zeitgeistes...
[Wir] brauchen kein betreutes Denken und keine mentale Bevormundung. Und zur Bevormundung gehört es den Menschen bestimmte Stimmen vorzuenthalten, zumal Artikel 5 des Grundgesetzes auch einen ungehinderten Zugang zu öffentlichen Quellen garantiert.
In der öffentlichen Debatte, auch an der Hochschule, würde ich den Menschen zuhören und dann in der Sache diskutieren. Das mag manchmal nerven, aber es ist wichtig. Viele Meinungen lassen sich erst bilden, wenn vorher alle Aspekte zu Wort gekommen sind. Und dazu gehören nun auch mal Meinungen Andersdenkender.“
+++ (SWR2, 29.03.2020, Wissen/Aula, 8.30 - 9.00 Uhr, Thilo Baum (Komunikationsexperte/Sachbuchautor): "Meinungsfreiheit - wo sind die Grenzen des Sagbaren?". Schlussteil des Manuskripts. Link zu Podcast und Manuskript: Link